Wo gibt es Radon Gas?

Karte der Raumluft-Messwerte. Quelle: Europäische Komission, DG Joint Research Centre (JRC), Institute for Transuranium Elements, REM Action

Karte der Raumluft-Messwerte. Quelle: Europäische Komission, DG Joint Research Centre (JRC), Institute for Transuranium Elements, REM Action

⯈ Wenn Sie nicht wissen was Radon ist und warum Radon gesundheitsgefährlich ist, dann schauen Sie sich bitte zuerst den Artikel „Was ist Radon?“ an.

In alle Regionen in Deutschland (auch Österreich und Schweiz) entsteht Radon im Boden. In einigen Regionen ist die Radon-Konzentration im Boden aber größer(z.B. Erzgebirge, Odenwald, Pfälzerwald, Voralpen), siehe Radon-Karte des BfS. Bitte beachten Sie: Selbst die in der Karte am niedrigsten belasteten Gebiete sind mit einer Bodenluft-Radioaktivität <20 kilo-Becquerel verzeichnet, d.h. selbst in diesen am niedrigsten belasteten Gebieten besteht noch großes Potenzial, dass die Raumluft in einem Gebäude sich stark mit Radon anreichern kann.

Grundsätzlich gibt die Radon-Karte aber keine Auskunft darüber, wie hoch die zu erwartende Konzentration von Radon in Gebäuden ist. Die Radon-Karte liefert lediglich einen Anhaltswert, wie groß das Risiko ist, dass es zu einer bedenklichen Radon-Konzentration der Raumluft kommen kann.

Welche Gebäude sind betroffen?

Es ist nicht möglich vorherzusagen, welche Immobilien besonders hohe Radon-Konzentrationen aufweisen. Grundsätzlich sind alle Arten von Gebäuden gefährdet, egal ob Wohnhaus, Schule, oder Lagerhalle. Das liegt daran, dass nur wenige Risikofaktoren sichtbar sind, viele aber unsichtbar und oft nicht zu erkennen:

Sichtbare Risikofaktoren für mögliche hohe Radon-Konzentrationen im Gebäude sind:

  • Hanglage,
  • Keller mit Naturboden,
  • Risse in den Kellerwänden oder nicht-Luftdichte Anschlüsse für Strom oder Wasser,
  • Keller aus Naturstein.

Unsichtbare Risikofaktoren sind zum Beispiel:

  • lokale, geologische Besonderheiten, wie Risse im Boden unter dem Haus,
  • Baustoffe mit hoher Gasdiffusion im Bodenbereich oder
  • unentdeckte Risse oder Spalten hinter Verkleidungen.

Diese Besonderheiten führen dazu, dass ein Haus hoch, ein Nachbarhaus direkt nebenan kaum belastet sein kann. Eigene Messungen haben selbst innerhalb des selben Hauses signifikante Unterschiede der Radon-Konzentration in einzelnen Räumen ergeben.

Offensichtliches Radon-Risiko: Poröser Baustoff und offene Fugen im Kellerbreich

Offensichtliches Radon-Risiko: Poröser Baustoff und offene Fugen im Kellerbreich

Die Erfahrung zeigt auch, dass selbst moderne Gebäude ohne erkennbare Risikofaktoren eine erhebliche radioaktive Kontamination der Raumluft haben können. Eine Radon-Raumluftanalyse ist deshalb immer ratsam. Treffen aber einer oder mehrere dieser Risiko-Faktoren auf Ihre Immobilie zu, dann ist eine Radon-Messung sogar dringend angeraten. Eine Radon-Messung ist kostengünstig und Sie können sie mit einem gemieteten Radon-Messgerät selbst durchführen.

Die höchste Konzentration ist im Keller (allgemeiner: in der untersten Etage) vorhanden. Radon verteilt sich aber im Haus, deshalb ist die Raumluft der höheren Etagen zwar nicht so stark wie im Keller, aber trotzdem auch kontaminiert.

Eine belüfteter Heizungskeller hat übrigens keine schützende Wirkung: Eigene Messungen haben in unbelüfteten Nebenräumen teilweise 30fach erhöhte radioaktive Strahlung im Vergleich zur Außenluft ergeben.

Gemäß EnEV modernisierte Gebäude können signifikant gesundheitsgefährdende Radonkonzentration aufweisen

Grund hierfür ist die im Vergleich zum Zustand vor Baubeginn die verbesserte Bauwerksabdichtung und die damit verbundene Senkung des Luftaustauschs.[1]. Eine Studie aus dem Tessin/Schweiz kommt zu dem Ergebnis, dass eine energetische Sanierung von Geäuden oft negative Auswirkungen auf die Radon-Konzentration in der Raumluft hat[2]. Aus diesem Grund sollten Radon-Schutzmaßnahmen bei der Projektplanung zur Sanierung eines Altbaus mit einbezogen werden.

Im Allgemeinen problemlos…

…sind folgende Immobilien / Wohnungen:

    • Höhere Etagen von mehrstöckigen Immobilien
    • Immobilien mit einer „schwarzen Wanne“, wie sie für den Hochwasserschutz eingesetzt wird
    • gut belüftete oder offene Gebäude (offene Halle, Stadion, Tunnel)
    • Gebäude ohne Kontakt zum Erdboden, wie z.B. Baumhäuser 😉

FAQ

Frage: Wir sanieren einen Altbau und bekommen eine Kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL). Jetzt wissen wir nicht in welcher Höhe das Ende des Zuluftrohrs vom Boden entfernt sein soll, um eine Radonbelastung bzw. das Ansaugen von Radon auszuschließen.
Antwort: Die Erdatmosphäre enthält -mehr oder weniger konstant- eine natürliche Radioaktivität durch Radon und seine Folgeprodukte von 10-15 Becquerel/m3. In der untersten Luftschicht ist zwar die Luft-Radioaktivität am größten, aber durch die selbst bei ruhigem Wetter vorhandene Luftbewegung / Turbulenz ist es sehr unwahrscheinlich, dass sich im Freien problematische Konzentrationen bilden können.<br/

Ich habe keine Studien zum Beleg oder Richtlinien, die ich nennen könnte und die eine Mindest-Höhe des KWL-Ansaugrohres vorgeben.

Aus meiner Erfahrung heraus würde ich sagen: So lange Sie mit Ihrem Ansaug-Rohr nicht
a) absurd dicht über dem Erdboden die niedrigste Luftschicht oder
b) direkt aus der Erde Luft ansaugen (auch das gibt es!),
sehe ich in Puncto Radon-Belastung durch die Zu-Luft keine Probleme bzw. Radon nicht als zu berücksichtigenden Faktor bei der Wahl der Höhe des Ansaug-Rohres.

Bitte beachten Sie, dass auch nachträgliche bauliche Veränderungen am Haus (z.B. Austausch von Fenstern oder luftdichte Sanierung des Daches, aber auch der Betrieb einer KWL) durch veränderten Innen-Luftdruck und veräderte Luftwechselrate Einfluss auf die Radon-Konzentration und damit den Luft-Schadstoffgehalt im Wohnraum haben.

Quellen

[1] Artikel Radonbelastung, de.wikipedia.org, ausgelesen am 29.11.2012.
[2] Artikel „Radon-Hotspot“ Graubünden, suedostschweiz.ch – „Mein Regionalportal“, ausgelesen am 05.03.2014.

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