Messung Raumluftqualitiät

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Raumluftanalyse selbst durchführen: Tipps und Erfahrungen

das bin ich

In diesem Artikel beschreibe ich. wie die Messgrößen TVOC, Formaldehyd und Feinstaub gemessen und gesundheitlich bewertet werden können. Was bedeuten die einzelnen Messwerte? Ich versuche hier, die wesentlichen Aspekte zur Messung und Beurteilung der Raumluft-Qualität zusammenzufassen – und wünsche Ihnen gute Erkenntnisse beim Lesen!

Bitte beachten Sie, dass es neben den hier beschriebenen TVOC, Formaldehyd und Feinstaub noch weitere Substanzen und Einflüsse gibt, die Ihre Gesundheit beeinflussen können – etwa Radon Gas oder elektromagnetische Felder, “Elektrosmog”. Informationen hierzu finden Sie in separaten Artikeln.

Raumluft-Messgeräte

Im Folgenden beschreibe ich kurz meine Erfahrungen mit diesen Messgeräten, um Ihnen einen Eindruck von einem typischen Ablauf von Messungen zu vermitteln. Beide Messgeräte unterscheiden sich nur durch die optionale Smartphone-App. Im Akku-Betrieb hatben ide Messgerät eine Betriebsdauer von maximal 3-4 Stunden. Ich empfehle grundsätzlich den Betrieb über das mitgelieferte USB-Steckernetzgerät.

Raumluft-Messgerät ohne…

Feinstaub Messgerät mit Zubehör
Bildschirmanzeige Feinstaubmessgerät

… und mit Smartphone-App

Raumluft Messgerät Frontansicht mit Übersichtxcf
Feinstaub Messgerät mit Verpackung

Allgemeines

Dokumentation der Ergebnisse

Eine automatische Messdatenerfassung ist möglich. Eine manuelle Aufzeichnung von Messwerten in einer Tabelle hat gegenüber einer automatischen Messwertaufzeichnung den Vorteil, dass subjektive Eindrücke zusätzlich zu den Sensor-Messwerten aufgezeichnet werden können. Kausalität zwischen möglichen, spürbare Auswirkungen (etwa Kopfschmerzen oder Augenjucken) und objektiven Messwerten können so eventuell gefunden werden.

Folgende Tabelle ist eine Anregung, wie diese Aufzeichnung aussehen könnte. Passen Sie diese Tabelle nach Ihren Bedürfnissen an. Haben Sie Ideen zur Verbesserung? Bitte schicken Sie mir eine Nachricht.

DatumUhrzeitZustand RaumluftGeruchEmpfindenFeinstaub PM2,5Feinstaub PM10TVOCHCOOH
14.6.11:30um 9neutralneutral9100,050,005
14.6.12:20leichter Zigrarettenrauch-GeruchKopfschmerzen, Augenbrennen15180,020,006
…

/Wichtiger Hinweis: In Ihrer Tabelle sollten subjektive Eindrücke und allgemeine Angaben zuerst ausgefüllt werden – von Messgerät abgelesene Werte erst zum Schluss eingetragen werden. So minimieren Sie die Möglichkeit der Autosuggestion und verbessern Zuverlässigkeit die Glaubwürdigkeit Ihrer Messung – gegenüber Anderen und gegenüber sich selbst.

Exposition – die Dauer ist relevant

Ein Missverständnis besteht darin, einen einzelnen Messwert direkt mit einem Grenzwert zu vergleichen. Neben dem Messwert ist auch die Dauer von Bedeutung: Wie lange sind Sie den jeweiligen Stoffen in der Raumluft ausgesetzt?

Kurze Spitzenwerte etwa nach Reinigungs- oder Renovierungsarbeiten, nach Kochen, Braten oder Backen sind anders zu bewerten als dauerhaft erhöhte Messwerte. Entscheidend ist deshalb vor allem der zeitliche Verlauf der Messwerte und die Suche nach den verursachenden Einzelstoffen.

Quellen Identifizieren – Suche nach der Ursache

Ist die Ursache für eine Belastung der Raumluft unklar, dann können einfache Tricks helfen, die Ursache zu identifizieren.

Feinstaubmessung

Feinstaubmessgeraet-Diagramm

Die Feinstaubbelastung wird in den Partikelgrößen PM1, PM2,5 und PM10 (PM = “Particle Matter”) gemessen. Der erste Messwert erscheint wenige Sekunden nach dem Einschalten des Gerätes mit Aktualisierung jeweils nach wenigen Sekunden, Darstellung der Messwerte im Diagramm (zeitlicher Verlauf über längeren Zeitraum) ist möglich, siehe Foto rechts.

Als typische bekannte Quellen für Feinstaub innerhalb eines Haushaltes werden oft Holzofen, Laserdrucker oder auch die Küche genannt.
Bei meinen eigenen Messungen habe ich mich deshalb einmal auf diese Quellen fokussiert:

Bei Betrieb meines Kaminofens habe ich eine entgegen meiner Erwartung unbedeutende bzw. praktisch nicht nachweisbare zusätzliche Feinstaubbelastung der Raumluft festgestellt.

Die Belastung mit Tonerstaub durch Laserdrucker variiert von Modell zu Modell, so dass ich hier keine Aussage treffen kann.

Küche: Beeindruckend ist die entstehende Feinstaubbelastung durch Braten, Backen und Dünsten. Die Feinstaubbelastung in der Raumluft steigt hier in kurzer Zeit sehr stark an. Hier ein paar einzelne Erkenntnisse, die mir erwähnenswert erscheinen:

  • Die höchste Feinstaubbelastung habe ich beim Backen von Fladenbrot in der Pfanne gemessen.
  • Selbst beim vorsichtigen Dünsten von Gemüse in Öl wird die Raumluftqualität in der Küche durch Feinstaub sehr schnell schlecht.
    Ein geschlossener Deckel auf dem Topf vermindert die Feinstaubbelastung signifikant.
  • Das Dünsten von Gemüse mit Wasser statt mit Öl reduziert die entstehende Feinstaubbelastung auf nahezu Null.

Typische Quellen für Feinstaub im Freien sind Pollen, Abrieb von Reifen und Verbrennungsrückstände. In der Wohnung können Schimmelsporen ebenfalls mit einer Feinstaubmessung erfasst werden.

Messung von Formaldehyd (HCOH) und löslichen organischen Stoffen (TVOC)

Kurz nach dem Einschalten erscheint der Messwert des Formaldehyd-Gehaltes der Raumluft und mit etwas längerer Verzögerung der TVOC-Messwert.
Bekannte Quellen für Formaldehyd oder TVOC sind Spanplatten, Farben bzw. Lacke, Kunststoffe oder Klebstoffe. Bei frisch gelüfteter Wohnung sollte dieser Messwert “0” sein. Bei “schlecht gelüfteter Wohnung” steigt dieser Messwert an. Besonders interessant empfand ich andere Quellen, mit denen ich nicht gerechnet habe: Backen von Brot (im Backautomat) führte zu einem signifikanten Anstieg von HCOH und TVOC.

Freisetzung chemischer Substanzen, einschließlich flüchtiger organischer Verbindungen, aus Polyvinylchlorid (PVC) können oft (nicht immer) vom TVOC-Sensor erfasst werden:
PVC ist ein harter, duroplastischer Kunststoff. In den meisten Fällen werden die Eigenschaften verändern Zusätze hinzugefügt, um etwa dessen Steifigkeit und damit die Neigung zu Sprödbuch reduzieren, die UV-Beständigkeit oder die Verarbeitbarkeit verbessern. Einige dieser Weichmacher sind nur schwach in der Kunststoff-Matrix vernetzt, deshalb können sie ausdünsten oder über Hautkontakt im Fett gelöst werden.

Der TVOC-Sensor spricht auf viele organische Substanzen an – aber es ist undefiniert ob auf alle, zumal viele Hersteller die verwendeten Zusätze nicht offen legen.  Insofern ist es möglich, dass das Messgerät trotz korrekter Funktion und bestimmungsgemäßer Benutzung nicht oder schwach auf die Ausdünstung aus PVC anspricht.

Messung im Freien

Dieses Messgerät ist für den Einsatz im Innenraum konzipiert. Es kann bei entsprechendem Schutz vor Regen, Schnee, Sonneneinstrahlung und Insekten auch im Freien verwendet werden.
Das Gerät sollte stets geschützt aufgestellt werden (etwa unter einem Dach, vielleicht geschützt unter einem umgekehrt aufgestellten Eimer, um das Gerät insbesondere vor Spritzwasser / Regen zu schützen).  Generell sollten Sie das Gerät an einem schattigen Ort betreiben und direkte Sonnenstrahlung vermeiden. Das Gerät niemals direkt auf dem Erdboden zu platzieren, stattdessen auf einem Tisch, um das Risiko durch in das Gerät eindringende Insekten zu minimieren.

Sollten Sie das Gerät im Freien per Steckdose mit Strom versorgen, dann beachten Sie auch hier Ihre Sicherheit und den Schutz elektrischer Komponenten.

TVOC, Formaldehyd und Feinstaub im Wohnraum:
Welche Werte sind unbedenklich?

TVOC – die Summe vieler flüchtiger organischer Verbindungen

TVOC steht für Total Volatile Organic Compounds, also die Summe der flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) in der Raumluft.

Zu den VOC gehören unterschiedliche Stoffe, etwa Lösemittel, Alkohole, Terpene, Aldehyde und andere organische Verbindungen. Sie können etwa aus Farben, Lacken, Möbeln, Bodenbelägen, Reinigungsmitteln, Klebstoffen, Kosmetik, Duftstoffen und Tabakrauch stammen.

Das Problem und die Chance einer TVOC-Messung: Beim TVOC handelt es sich um sie Summe vieler Stoffe. Zwei Räume können also denselben TVOC-Wert aufweisen, obwohl sich die darin enthaltenen Stoffe völlig unterscheiden.

Deshalb kann aus einem TVOC-Wert nicht unmittelbar auf ein bestimmtes Gesundheitsrisiko geschlossen werden. Der Wert dient eher als Indikator dafür, ob eine erhöhte Belastung mit flüchtigen organischen Verbindungen vorliegt. Außerdem kann es sein, dass der Sensor des Messgerätes auf viele, aber nicht garantiert auf alle Substanzen in der Raumluft anspricht.

Ein wesentlicher Vorteil der TVOC-Messung ist jedoch, dass mit einer einzigen Messung sehr viele Substanzen gleichzeitig erkannt werden. Eine in den meisten Fällen kaum zu leistende Messung von Einzel-Werten entfällt damit.

TVOC-Anhaltswerte zur Orientierung

Das Umwelt-Bundesamt empfiehlt TVOC-Konzentrationen oberhalb von 950 µg/m³ ( = 0,95 mg/m³) möglichst zu vermeiden. Als grobe Orientierung lässt sich folgende Einteilung verwenden:

TVOC-KonzentrationEinordnung
≤ 0,3 mg/m³niedrig; aus hygienischer Sicht unauffällig
0,3–0,95 mg/m³eher unproblematisch, aber bereits erhöhte Belastung
> 0,95 mg/m³aus Vorsorgegründen auffällig; Ursachen sollten geprüft werden
> 3 mg/m³deutlich erhöhte Belastung; Maßnahmen zur Reduzierung ratsam
> 10 mg/m³sehr hohe, problematische Konzentration

Formaldehyd

Formaldehyd ist ein farbloses, stechend riechendes Gas, das unter anderem aus Holzwerkstoffen, Möbeln, Klebstoffen und bestimmten Bauprodukten freigesetzt werden kann. Auch Tabakrauch, backen oder braten können Formaldehyd in die Raumluft einbringen. Formaldehyd ist im Gegensatz zu TVO ein einzelner Stoff.

Das Umweltbundesamt und WHO verwenden für Formaldehyd einen Richtwert von 100 µg/m³ = 0,1 mg/m³ bei einer Expositionsdauer von maximal 30 Minuten. Dieser eher kurzfristig gedachte Anhaltswert zielt vor allem auf die reizende Wirkung von Formaldehyd auf Augen und Atemwege.

Zur langfristigen Wirkung gibt es international Anhaltswerte. Nachfranzösischen Norm gilt Raumluft bis zu einer Belastung von maximal 10 µg/m³ = 0,01 mg/m³ als “sehr gut”. Bitte beachten Sie, dass dies ein niedriger Wert ist: Formaldehyd entsteht etwa durch Stoffwechsevorgänge und dieser Wert wird bei einer normal genutzten Wohnung bei etwas nachlässiger Lüftung schnell erreicht.

Feinstaub

Unter Feinstaub versteht man winzige Schwebstoffe in der Luft. Für die gesundheitliche Bewertung sind insbesondere PM10 und PM2,5 relevant.

  • PM10: Partikel mit einem Durchmesser von höchstens etwa 10 µm
  • PM2,5: Partikel mit einem Durchmesser von höchstens etwa 2,5 µm

PM2,5 kann tiefer in die Atemwege eindringen. Feinstaub wird mit Entzündungsreaktionen und gesundheitlichen Auswirkungen auf Atemwege und Herz-Kreislauf-System in Verbindung gebracht.

Für Wohnräume ist PM2,5 besonders interessant, weil typische Innenraumquellen – beispielsweise Tabakrauch, Kerzen, Kochen oder Braten erhebliche Konzentrationen verursachen können.

Besonderheit bei Innenräumen

Der Ausschuss für Innenraumrichtwerte (AIR) hat den WHO-Tageswert von 15 µg/m³ PM2,5 als Orientierungsmaßstab für Wohninnenräume übernommen, sofern keine spezifischen Innenraumquellen berücksichtigt werden müssen. Das bedeutet: Bei Kerzen, Tabakrauch oder anderen Verbrennungsprozessen können die Werte deutlich höher liegen – in diesem Fall sollte die Quelle unmittelbar beseitigt oder reduziert werden.

Was ist bei erhöhten Werten zu tun?

Regelmäßiges Lüften hilft,die Messwerte zu reduzieren. Bei dauerhaft erhöhten Werten sollte sie wichtigste Maßnahme sollte jedoch sein, die Ursache zu finden. jedoch nach der Quelle gesucht werden.

Bei erhöhtem TVOC

Mögliche Ursachen sind beispielsweise:

  • neue Möbel oder Bodenbeläge
  • Farben und Lacke
  • Reinigungs- und Duftmittel
  • Klebstoffe
  • Kosmetik
  • Lösungsmittel
  • Renovierungsarbeiten
  • Tabakrauch

Regelmäßiges Lüften reduziert die Konzentration. Bei dauerhaft erhöhten Werten sollte jedoch nach der Quelle gesucht werden.

Bei erhöhtem Formaldehyd

Hier sollte insbesondere nach formaldehydhaltigen Holzwerkstoffen, Möbeln und anderen emissionsrelevanten Materialien gesucht werden.

Eine dauerhafte Überschreitung von 0,1 mg/m³ als 30-Minuten-Mittelwert sollte nicht einfach durch häufigeres Lüften als dauerhaft akzeptabler Zustand betrachtet werden.

Bei erhöhtem PM2,5

Zunächst sollte nach Verbrennungsquellen gesucht werden:

  • Rauchen
  • Kerzen
  • Räucherstäbchen
  • Kochen und insbesondere Braten

Auch beim Kochen können sehr hohe kurzfristige Feinstaubspitzen entstehen. Eine leistungsfähige Dunstabzugshaube, ausreichende Lüftung und das Vermeiden unnötiger Verbrennungsquellen können die Belastung deutlich reduzieren.

Wer seine Raumluft mit einem Sensor überwacht, sollte deshalb möglichst nicht auf einzelne Spitzenwerte reagieren, sondern Mittelwerte, zeitliche Verläufe und wiederkehrende Ereignisse betrachten. Gerade die Kombination aus Messwert und Ereignis – etwa „PM2,5 steigt beim Kochen stark an“ oder „TVOC bleibt nach einer Renovierung über Tage erhöht“ – liefert wesentlich mehr Informationen als eine einzelne Zahl.

Quellen und weiterführende Informationen

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