Radon-Sanierung – einfach und kostengünstig

In nahezu jedem Gebäude ist ein erhöhter Radon-Gehalt der Raumluft im Vergleich zur Außenluft nachweisbar. Bei höheren Konzentrationen sollten wirksame Strahlenschutzmaßnahmen getroffen werden, um die Radon-Exposition zu senken. Aber auch diese Maßnahmen müssen nicht teuer sein!

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Professionelle Schutzmaßnahmen: wirksam, aber teuer

Es gibt eine Vielzahl von (beliebig aufwändigen) Maßnahmen, die Radon-Belastung in Wohn- und Aufenthaltsräumen zu senken:

  • Bauliche Veränderungen zur Reduktion der Radon-Ströme,
  • Hausbegehungen oder die
  • Berechnung und Installation von Lüftungsanlagen mit messtechnischer Begleitung zur Beweissicherung.Diese Maßnahmen sind zwar gut gemeint und in manchen Fällen auch ratsam, aber auch teuer.

Einfache Lösungen: Kostengünstig in Eigenleistung

Ich möchte diese professionellen Schutzmaßnahmen vor Radon hier weder verwerfen oder kritisieren. Nach eigener Erfahrung gibt für die meisten Fälle aber sehr einfache, nahezu kostenlose Möglichkeiten der Radon-Sanierung. Auf diese Optionen gehe ich hier ein.

Radon Schutz bei Neubau

Beim Neubau kann durch eine Gas-undruchlässige Folie unter der Bodenplatte das Eindringen von Radon in das Haus wirkungsvoll verhindert werden. Hierbei muss darauf geachtet werden, dass die Folie sämtliche erdberührenden Gebäudeteile vor direkter Berührung mit dem Erdboden schützt. Außerdem müssen sämtliche Anschlüsse bzw. Durchdringungen der Folie (Wasser, Abwasser, Telefon…) luftdicht abgedichtet sind.
Korrekt ausgeführt, bietet diese Lösung einen hervorragenden Schutz gegen Radon aus dem Boden.

Radon-Schutzmaßnahmen habe mit Schutz vor Hochwasser und Feuchtigkeit gemeinsamt, dass versucht wird zu verhindern, dass etwas in den Keller bzw. die unterste Etage eindringt. Deshalb ist ein Schutz vor Hochwasser gleichzeitig ein guter Schutz vor Radon.

Radon Schutz im Bestand

Bei Bestands- bzw. Altbauten sind für Neubauten geeignete Maßnahmen (wie z.B. eine Gasdichte Folie unter der Bodenplatte) unverhältnismäßig teuer oder unmöglich zu installieren.

Im Bestand gibt es aber andere Möglichkeiten, sich vor Radon zu schützen. Einige einfache bzw. fast immer mir sehr wenig Aufwand zu realisierende Schutzmaßnahmen für Bestandsbauten sind folgende Maßnahmen.

Entlüftung der Bodenplatte

Sollten Sie über z.B. eine Drainage (Hochwasserschutz) verfügen, dann gibt es im Keller meistens einen Schacht oder ein Loch, in dem die Drainagerohre enden. Im Fall von Hochwasser wird in diesem Schacht eine Pumpe installiert, die eindringendes Wasser aus dem Haus befördert.
Sie können einen solchen Schacht nutzen, in dem sie ihn mit einem Deckel verschließen, die Luft daraus absaugen und nach Außen befördern (s.u.). Verwenden Sie einen transparenten Deckel, damit Sie eventuell eintretendes Wasser rechtzeitig bemerken.

Falls keine Drainage verfügbar ist, durchbohren Sie -nach Möglichkeit etwa in der Mitte des Hauses- ein Loch in die Bodenplatte, bis Sie auf Erdboden oder eine gut Luftdurchlässige Schicht (z.B. Kies) unter dem Haus stoßen. Das Loch sollte groß genug sein, dass Sie mit einer Hand bequem hineinfassen können. Treffen Sie auf Erde, dann graben Sie einen Hohlraum von mindestens ca. 10-20 Litern. Danach verfüllen Sie diesen Hohlraum ggf. mit gut luftdruchlässigem Material (Kies, Splitt…) um einstürzen zu verhindern.

Über einen Luftschlauch oder Rohr (Abwasserrohre sind kostengünstig und gut geeignet!) und einen Lüfter befördern Sie die Luft nach Außen. Diese Entlüftung eine der wirksamsten Gegenmaßnahmen. Machen Sie sich keine allzu großen Sorgen wegen der Dichtheit: Selbst ein kleiner Axial-Lüfter mit 5 Watt bewegt schnell >100 Liter/Minute. Da fallen kleine Ritzen nicht ins
Gewicht.

Sollte die Radon-Konzentration nach der Installation noch zu hoch sein, können Sie auch die Lüfterleistung variieren. Fangen Sie mit dem schwächsten (=sparsamsten, billigsten…) Lüfter an.
Faustregel: Ist die Erde schlecht Luftdruchlässig (z.B. lehmiger Boden, Ton) dann benötigen Sie Radiallüfter, sonst sind Axiallüfter besser geeignet.

Radonbrunnen

Sollten Sie keine Arbeiten Innerhalb des Gebäudes wünschen oder möglich sein, dann ist auch der Bau von einem mehreren Radonbrunnen neben dem Gebäude eine Option:

  1. Radon Brunnen ErdbohrerBohren Sie mit einem Erdbohrer möglichst nahe an einer Hauswand ein etwa 2-3 m tiefes Loch (so als würden Sie einen Brunnen bohren). Das Loch sollte dabei etwa mittig über die Länge der Hauswand sein.
  2. In das Bohrloch wirdRadonbrunnen gelochtes Abwasserrohr als Entlüftungsrohr mit Manschette ein Rohr gestellt, dass einen Einsturz oder ein Verschütten des Loches zu einem späteren Zeitpunkt verhindert. Kostengünstig und gut geeignet ist Abwasserrohr (Baumarkt). Den unteren Teil des Rohres sollten Sie lochen, damit das Rohr das Erdreich entlüften kann. Der obere Teil des Rohres sollte nicht gelocht werden, damit keine Luft aus der obersten Erdschicht oder sogar der Atmosphäre direkt angesaugt wird. Hiermit würde der Luftstrom steigen und damit auch der Stromverbrauch des Lüfters – gleichzeitig würde der Luftdruck im Rohr ansteigen und damit die Entlüftung der tieferen Bodenschichten abnehmen. Diesen Effekt wollen Sie also vermeiden.
  3. Über einen Radial- oder Axiallüfter saugen Sie Luft aus dem Bohrloch ab. Die Erfahrung zeigt, dass teilweise im Umkreis von 20 Metern noch eine wesentliche Absenkung der Radioaktivität der Bodenluft und damit eine Entlastung von Gebäden in der Nähe messbar ist. Das Problem bei dieser Maßnahme ist, dass die Wirkung vorher nicht abgeschätzt werden kann: Meist ist ein Radon-Brunnen sehr wirksam, bei lehmigem und Ton-artigen Boden können leistungsstärkere Lüfter notwendig sein, was den (dauerhaften!) Betrieb wegen der Energiekosten unattraktiv macht.
  4. Tipps zur Optimierung:
    a) Wenn Sie mit Ihren Maßnahmen fertig und mit dem Ergebnis zufrieden sind, können sie ein kleines Photovoltaik-Modul parallel zum Netzgerät des Lüfters schalten und dieses so über die Solarzelle entlasten: Auch wenn der Lüfter nur 5 Watt benötigt: Der Lüfter ist immer im Einsatz, 24 Stunden, 365 Tage.b) Versuchen Sie nach Möglichkeit mit einem einzigen Radon-Brunnen bzw. mit einem einzigeen Lüfter auszukommen: Mehrere Lüfter erhöhen den Energieverbrauch und die Ausfallwahrscheinlichkeit, außerdem ist die Installation oft mit Mehrarbeit verbunden. („Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe“.)

Wichtig: Vergessen Sie nicht, die Komponenten, die Sie einbauen zu beschriften. Sonst ist es eine Frage der Zeit bis ein Nach-Besitzer, die Kinder, Enkelkinder oder ein eifriger Handwerker den Kopf schüttelt („Was soll DAS denn!??“) und alles demontiert.

Wohnraum-Lüftung

Eine weitere Möglichkeit ist die Installation einer Raumlüftung. Hierbei sollten Sie aber -selbst in wenig oder gar nicht beheizten Kellerräumen- darauf achten, dass Sie ein System mit Wärmetauscher verwenden, da bei langen Frost-Perioden der Keller durch die Lüftung stark abkühlt.

Abhängig von der Radon-Belastung sollte die Lüftung mindestens so stark sein, dass sie alle 2-3 Stunden einen kompletten Luftaustausch des Raums ermöglicht. In stark belasteten Gebäuden kann es sein, dass diese Luftwechselrate nicht genügt, um eine ausreichende Entlastung zu bringen,

Sollten Sie nicht ohnehin eine Belüftung der untersten Etage oder des Kellers planen (beispielsweise wegen eines Feuchtigkeitsproblems), dann sollten Sie diese Option erst wählen, wenn eine Luftabsaugung unter der Bodenplatte oder einen Radon-Brunnen für Sie nicht in Frage kommt: Eine Belüftung hat zwar viele Vorteile, aber selbst mit Wärmetauscher bringt diese Belüftung immer einen Wärmeverlust mit sich – gleich wie gut und effizient der Wärmetauscher arbeitet.

Auswahl und Installation von Radon Schutzmaßnahmen

Die unten folgende Checkliste gibt eine Hilfestellung für die Auswahl von Radon Schutzmaßnahmen im Altbau. Generell gilt, dass alle Gegenmaßnahmen miteinander auch kombiniert werden können. Am besten (d.h. am wirtschaftlichsten) ist es aber, wenn eine einzelne Maßnahme bereits zum erwünschten Ergebnis führt.

1. Testen Sie die Raumluft auf Radon

Es gibt einige sichtbare Risikofaktoren, die auf erhöht radioaktive Raumluft hinweisen, die meisten Einflüsse sind aber unsichtbar. Deshalb kann nur eine Radon Messung klären, ob ein Problem besteht und welche Gegenmaßnahmen -falls notwendig- sinnvoll sind.

Einen Radon Test können Sie durchführen lassen. Sie können aber auch ein Radon Messgerät mieten und selbst messen: Radon selbst messen spart Kosten. Die Messung ist einfach und auch von Unerfahrenen leicht durchführbar.

2. Beurteilen Sie das Ergebnis

Je nach dem wie das Messergebnis ausfällt sind unterschiedliche Gegenmaßnahmen ratsam. Es gibt zwar gesetzliche Grenzwerte, diese sind aber nur in einzelnen Bereichen anwendbar und verbindlich (z.B. im Bergbau oder Wasserwirtschaft). Sofern Sie nicht in einem dieser Bereiche tätig sind, ist es Ihre Entscheidung, ob Sie sich einer Strahendosis aussetzen möchten oder nicht. Falls die Messwerte erhöht sind ist es ebenfalls Ihre Entscheidung, welche Strahlenschutzmaßnahmen Sie treffen möchten. Ich unterstütze Sie gerne im Rahmen einer Beratung bei Ihrer Entscheidung, eine passende Radon-Gegenmaßnahme für Sie zu finden.

3. Senken Sie Ihre Radon-Exposition durch Gegenmaßnahmen

Die hier vorgeschlagenen Maßnahmen sind deshalb nur eine Empfehlung:

a) Niedrige Luft-Radioaktivität (bis ca. 100 Bq/m3)

Lüften Sie regelmäßig: Ein kurzer Durchzug bzw. „Stoßlüften“ mindestens zwei mal täglich sind meist ausreichend. Insbesondere Kellerräume sollten Sie lüften bevor Sie sich längere Zeit dort aufhalten. Optional sollten Sie potenzielle Radon-Eintrittswege Luftdicht versiegeln, wie z.B.

  • sichtbare Risse in Kellerwänden und -böden
  • Wanddurchgang von Telefon-, Strom-, Wasser- und Abwasserleitungen
  • auch Risse, z.B. um einen Abfluss im Boden.

Dichten Sie ausßerdem alle Verbindungen zwischen dem Keller und den darüberliegenden Etagen (Kabelkanäle, Leitungsdurchführungen) ab.

b) Erhöhte Luft-Radioaktivität >ca. 100 Bq /m3

Bei dieser Konzentration ist oft schon eine radioaktive Kontamination von Matratzen oder anderen Bereichen mit Hausstaub-Ansammlungen messbar.
In diesem Fall sind einfache Maßnahmen wie regenlmäßiges Lüften nicht mehr ausreichend, da das „Plateau“ der Luft-Radioaktivität manchmal nach schon 2-4 Stunden wieder erreicht ist. Zusätzlich sollte mindestens eine weitere, wirksame Maß installiert werden, wie z.B.

  • gezielte Absaugung der Luft unter der Bodenplatte
  • installation eines Radonbrunnen. Ein Radonbrunnen eignet sich insbesondere, wenn innerhalb von Gebäuden keine Entlüftung installiert werden kann/soll.
  • Eine kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL) mit einer Luftwechselrate von mindestens 0,5 h-1 erzielt -gleichmäßige Belüftung vorausgesetzt- im Allgemeien eine Reduktion der Radon-Konzentration um 50%. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass durch die Lüftungsanlage besser ein Über- als ein Unterdruck erzeugt wird, selbst wenn der Überdruck nur wenige Pascal beträgt.
  • Luftfilter sind in der Lage, die mit dem Hausstaub verbundenen radioaktiven Radon-Folgeprodukte aus der Luft zu filtern. Gleichzeitig reduzieren Luftfilter die Anzahl der (Staub-)Partikel bzw. Aerosole in der Luft. Dies hat zur Folge, dass sich bei einem erneuten atomaren Zerfall die Zerfallsprodukte bevorzugt mit kleineren Partikeln zu Clustern verbinden, die beim Atmen zu einem wesentlich größeren Anteil im Vergleich zu größeren Partikeln in der Lunge verbleiben.Da Studien zu diesem Thema fehlen kann keine Aussage getroffen werden, ob der Einsatz von Luftfiltern oder Ionisatoren sinnvoll oder evtl. sogar kontraproduktiv ist.

Die Wirksamkeit der Gegenmaßnahmen sollten hin- und wieder durch eine erneute Radon-Messung überprüft werden.

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