Beschleunigungen, Strahlenbelastung: Ist schwanger fliegen sicher?

Neben den allgemein bekannten und zum Teil einschätzbaren Risiken wie Thrombose oder „Stress durch Flugangst“ gibt es Flug-Risiken, die für die meisten Menschen nur schwer einschätzbar sind, wie die Strahlenbelastung im Flug („Höhenstrahlung“, oder „Kosmische Strahlung“).

Für das Fliegen während der Schwangerschaft gibt es zwar Empfehlungen, aber nur wenige gesetzliche Regelungen, die eine Schwangere vor den Risiken beim Fliegen schützen. Selbst wenn ein Attest eines Arztes die Flugtauglichkeit bescheinigt (Wurde das Attest von einem Flieger-Arzt ausgestellt? Ist der Arzt über Art und Dosis der Strahlung informiert?), sollten Schwangere die für Gesundheit von Mutter und Kind relevanten Fakten kennen: Nur durch Information und Eigeninitiative ist der Schutz Ihrer eigenen Gesundheit und der Ihres Kindes möglich.

Risiko Beschleunigungen

T-Leitwert FlugzeugBeschleunigungen können im Flug direkt und indirekt zu Problemen führen:
Gerät ein Flugzeug in schlechtes Wetter, dann können durch Turbulenz Beschleunigungen auftreten, die ein vielfaches der normalen Erdbeschleunigung betragen.
Während auch länger anhaltende Beschleunigungen von der 2 bis 3-fachen Erdbeschleunigung (z.B. durch Turbulenz, Ausweichmanöver) weder Menschen noch für Flugzeuge ein Problem ist, drückt ein 3 kg schweres Baby in der Gebärmutter nach Unten, als würde es 9 kg wiegen.

Aber selbst bei normalen Flugbedingungen und banalen Situationen, z.B. beim Gang auf die Toilette, besteht ein erhöhtes Risiko, durch plötzlich auftretende, unvorhersehbare Turbulenz zu stürzen.

Strahlenbelastung im Flug

Mit steigender Flughöhe lassen Flugzeuge große Teile der vor kosmischer Strahlung schützenden Atmosphäre unter sich. Deshalb ist die Belastung durch radioaktive Strahlung im Flug erheblich größer als am Boden:
Im Flug ist von einer durchschnittlich 20- bis 40-fach höheren Strahlenbelastung im Vergleich zum Aufenthalt am Boden auszugehen. Auf einem Flug nach New York ist im Mittel eine zusätzliche Belastung durch ionisierende Strahlung von 17-32 Mikrosievert (μSv), auf einem Flug nach San Francisco mit 45-110 μSv zu erwarten. Zum Vergleich: Die mittlere jährliche Dosis radioaktiver Strahlung beträgt in Deutschland ca. 2100 μSv. Auf einem wenige Stunden dauernden Flug „kassieren“ Schwangere und ungeborene Kinder bis zu 5% einer Ganzjahres-Dosis.[1].

Diese beiden Bilder zeigen die Anzeige eines Geigerzählers auf dem Flug von Frankfurt nach Ibiza, das Foto links wurd im Freien (Garten) aufgenommen, das Foto rechts im Flugzeug auf Reiseflughöhe:

Geigerzähler

Höhenstrahlung, Strahlenbelastung im Flug

Diese zusätzliche Strahlendosis ist zwar noch bei weitem zu schwach, um Symptome einer akuten Strahlenkrankheit auslösen zu können, trotzdem sollten sich Schwangere über mögliche Langzeit-Folgen von radioaktiver Strahlung auf Föten bewusst sein. Es gibt nach aktuellem Stand keine „Flugverbote“ für Schwangere wegen Höhenstrahlung, da allgemein die Strahlendosis beim Fliegen als „unbedenklich“ bewertet wird. Aber:

  1. Es gibt epidemiologische Studien, die auf Grund von Tumor-Häufungen bei fliegendem Personal von einer erheblichen Unterbewertung der in großer Höhe vorhandenen Neutronenstrahlung ausgehen[4]. Insbesondere die Bewertung der unterschiedlich schnellen Neutronen und ihre biologischen Folgen wird z.T. deutlich in Frage gestellt: So ist nach Bestrahlung mit Neutronen viel schneller eine Veränderung in weißen Blutkörperchen nachweisbar, als dies bei vergleichbarer Röntgen- oder Gammastrahlung der Fall ist[5].‘
  2. Wirtschaftliche Interessen stehen gegen eine offene Kommunikation bzw. kritische Bewertung der Strahlenbelastung im Flug.

Strahlenbelastung im Flug – anschaulich!

In diesem Video hat ein Passagier ein Strahlungsmessgerät („Geigerzähler“) im Flug mitgeführt. Beachten Sie die unterschiedliche Strahlungsintensität während des Fluges.

  • Obwohl die Strahlendosis beim Röntgen oft viel niedriger ist (eine Panorama-Schichtaufnahme des Kiefers belastet mit etwa 7-10 μSv, ein Zahnfilm mit etwa 2,5 μSv) raten Ärzte von vermeidbaren Röntgenaufnahmen insbesondere während der ersten drei Monate der Schwangerschaft ab: In den ersten drei Monaten ist durch eine erhöhte Zellteilung die Gefahr einer Schädigung des Fötus durch radioaktive Strahlung am größten.[2]
  • Nach der „Verordnung über den Schutz vor Schäden durch ionisierende Strahlen“ (StrlSchV) § 46 Abs. 1 beträgt die maximal zulässige effektive Jahresdosis für Einzelpersonen der Bevölkerung „durch den Umgang mit radioaktiven Stoffen oder durch Anlagen zur Erzeugung von ionisierenden Strahlen“ 1 Millisievert bzw. 1000 μSv. Diese Dosis können Sie bereits mit 5 Langstreckenflügen (Hin- und Rückflug) erreichen[3]. „Schwangerschaft“ ist in dieser Regelung nicht berücksichtigt.
  • Es gibt keine Studien, die die Langzeit-Wirkung von Höhenstrahlung auf Föten untersuchen. Auch wenn keine unmittelbaren Schäden direkt nach einem Flug feststellbar sind: Es fehlen Informationen über die Langzeitwirkung, etwa erhöhte Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten im Verlauf des Lebens.

Höhenstrahlung selbst messen

Sie können sie Strahlenbelastung bei Röntgen des Gepäcks und im Flug aufzeichnen wenn Sie möchten. Das sind meist sehr interessante Ergebnisse. Ein Geigerzähler können Sie mieten – für dieses Messgerät ist die folgende Anleitung:

Zum Messen der Höhenstrahlung sollten Sie am Tag vor dem Abflug den Messwertspeicher zu löschen:

  1. Taste mit den drei Ordner-Symbolen (über der gelben Taste) einmal
    drücken.
  2. die Pfeiltasten so lange drücken, bis „P del“ im Display steht und mit der Eingabe-Taste bestätigen.
    => Messwerte-Speicher ist jetzt gelöscht!
  3. Noch einmal die Taste mit den drei Ordner-Symbolen drücken und mit den Pfeiltasten „Pr. 1 min“ einstellen. Danach mit der Eingabe-Taste bestätigen.
    => Messwerte werden jetzt alle 1 Minute aufgezeichnet.
  4. (Sinnvoll, aber nicht zwingend erforderlich) Stellen Sie die Warnschwelle hoch, in dem Sie
    a) die Eingabe-Taste drücken (im Display blinkt ein Wert)
    b) stellen Sie mit den Pfleil-Tasten mindestens „10,0“ ein.
    c) drücken Sie erneut die Eingabe-Taste.
  5. Stellen Sie den Blenden-Wahlschalter in Mittelstellung („nur gamma-Strahlung“).Fertig!

Nach Ihrer Rückkehr kann der Messwert-Speicher ausgelesen werden und die
Strahlenbelastung des Fluges im Diagramm dargestellt werden.

Risiko Evakuierung

Allgemein sind Plätze an einem Notausgang bei Passagieren beliebt, da hier eine größere Beinfreiheit als in den übrigen Reihen vorhanden ist.

Sollten Sie sich schwanger zu einer Flugreise entschließen, dann weisen die beim Check-In darauf hin, dass Sie schwanger sind und deshalb ggf. nicht an einem Notausgang sitzen sollten:

Kommt es zu einer Evakuierung des Flugzeuges, dann müssen Sie(!) in der Lage sein, den Notausstieg zu öffnen. Oft werden Sie von den FlugbegleiterInnen vor Beginn des Fluges noch einmal separat darauf hingewiesen.

Das öffnen des Not-Ausstiegs erfordert körperliche Fitness: Der Notausstieg hat keine Türscharniere, die Tür wird mit samt des Fensters aus der Außenhaut heraus gehoben. Die Tür kann 10-15 kg wiegen! Nach dem Öffnen sind Sie die erste Person, die das Flugzeug über die Tragfläche verlässt. Alle anderen Passagiere sind hinter Ihnen! Sollte es tatsächlich zu einem Notfall (z.B. Rauch in der Kabine) kommen, dann müssen Sie unter Zeitdruck den Notausstieg öffnen und ggf. als Erste aussteigen: Hinter Ihnen sind eventuell noch 50-150 weitere, „ungern wartende“ Flugreisende.

Fazit

Auf vermeidbare Flüge während der Schwangerschaft sollten Sie lieber verzichten. Insbesondere Langsteckenflüge oder Flüge im Bereich der magnetischen Pole (der magnetische Nordpol ist in Labrador / Kanada) können wegen der radioaktiven Strahlenbelastung nicht als „unbedenklich“ bezeichnet werden! Dies betrifft insbesondere Flüge von Europa nach Nord- und Mittelamerika. Etwas geringerer Dosis sind Passagiere auf Kurzstrecken oder auf einer Flugreise von Europa z.B. Richtung Afrika ausgesetzt.

Die kosmische Höhenstrahlung ist normalerweise nicht stark genug, dass es zu kurzfristiger Schädigung des Fötus kommt. Längerfristige Folgen (z.B. Erkrankungen im fortgeschrittenen Alter) lassen sich aber nicht ausschließen.

Eine Schwangerschaft ist eine der aufregendsten Erfahrungen, die eine Frau machen kann. Gerade, wenn Sie das erste mal Mutter werden, machen Sie sich vielleicht Sorgen und fragen sich, wie Sie sich während der Schwangerschaft richtig verhalten, damit Ihr Kind gesund auf die Welt kommt. Auf www.bambiona.de werden Sie viele Antworten bekommen und sehen, dass vor allem eines wichtig ist: Genießen Sie die Dauer der Schwangerschaft und versuchen Sie, es sich gut gehen und die Seele baumeln zu lassen – ohne zu Flug!

 

 

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Quellen

  1. Bundesamt für Strahlenschutz, aus: Kosmische Strahlung beim Fliegen S. 2, Helmholtz-Zentrum München , ausgelesen am 04.06.2013.
  2. Internetseite von Dr. med. dent. Michael M. Dörner, Röntgen, ausgelesen am 05.06.2013.
  3. Bundesministerium der Justiz: Strahlenschutz-Verordnung, Gesetze im Internet.
  4. Horst Kuni: „Ionisierende Strahlungen und Niedrigdosisstrahlung: Diskussion und Bewertung der Niedrigdosiseffekte, Dosisschwellen, Neubewertung der mutagenen und kanzerogenen Wirkungen, Langzeitwirkung inkorporierter Radionuklide, Radonproblematik“, Kapitel Lockerionisierende Strahlen. Dieser Artikel ist online verfügbar.
  5. I. Schmitz-Feuerhake: „Neutronen als Strahlenschutzproblem bei Atommülltransporten“, Strahlentelex Nr. 532-533/2009, , Kapitel Lockerionisierende Strahlen.

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