Radioaktivität im Alltag

Wichtig: In diesem Artikel gehe ich nur auf radioaktive Strahlung durch Gegenstände am / im Haus bzw. im Haushalt ein:

Radon WarnungFür Informationen über das sehr weit verbreitete und äußerst gesundheitsschädliche Radon im Haus gibt es separate Artikel.

Einen Artikel über die insbesondere für Schwangere relevante Strahlenbelastung im Flug („Höhenstrahlung“) finden Sie hier.

 

 

Erhöht radioaktive Baustoffe

Baustoffe wie Lehm und Ton haben hervorragende ökologische und bauphysikalische Eigenschaften. Je nach Herkunft können sie(und auch ihre Produkte wie Ziegel, Dachziegel) aber eine beachtliche Radioaktivität haben.
Im Normalfall ist diese natürliche Radioaktivität bei kurzzeitigem Kontakt völlig unproblematisch.
Einen wesentlichen Anteil des Lebens verbringen Menschen jedoch im eigenen Haus, deshalb liegt das Problem in der langen Zeit, in der Menschen der Strahlung durch strahlende Baustoffe ausgesetzt sind. Um dieses Problem zu verdeutlichen zeigt das Bild unten eine vergleichende Messung: Ein Messgerät für radioaktive Strahlung (Geigerzähler) einmal im Freien, einmal im Haus vor einer mit Fliesen verkleideten Ziegelwand zeigt hier einen etwa 5-fach erhöhten Messwert vor der Ziegelwand im Vergleich zur Messung im Freien.

Radioaktivität Messung im Freien und im Haus mit Geigerzähler

Messung der Hintergrundstrahlung im Freien und im Haus vor Fliesen

Die meisten Baustoffe enthalten -wie fast alle Materialien- eine geringe Menge natürlicher, radioaktiver Isotope. Das ist normal und auch unbedenklich. Problematisch wird es, wenn es keine „geringe Menge“ mehr ist oder der Baustoff großflächig eingesetzt wird.

Die meisten Baustoffe sind verhältnismäßig schwach strahlend. Es gibt aber auch Ausnahmen: Alte Keramik, z.B. Fliesen im Altbau (insbesondere rote und braune) können stark strahlend sein, falls z.B. Uran zum Färben verwendet wurde. Auch gibt es regional vorkommende strahlende Natursteine: Wurden solcher Steine beim Hausbau verwendet, kann die Strahlenbelastung im Haus bedenklich werden.

Eine Messung in einem bayerischen Fachwerkhaus ergab eine zusätzliche prognostizierte Jahresdosis von 1,6 mSv (millisievert) pro Jahr bei einer Aufenthaltszeit von 10 Stunden/Tag. Die durchschnittliche Jahresdosis für Menschen in Deutschland beträgt 2,1 mSv[1]. Wohnen Sie in einem solchen Haus, verdoppeln Sie nahezu Ihre radioaktive Dosis.

Radioaktivität von Lehm

Lehm ist nicht gleich Lehm: Menge und Zusammensetzung der natürlich enthaltenen Radioisotope variiert je nach Herkunft: Die spezifische Radioaktvität von Lehm/Ton variiert

    • von 300 bis 1000 Becquerel/kg (durch enthaltenes 40Kalium)
    • von 10 bis 90 Becquerel/kg (durch enthaltenes 226Radium) und
    • von 30 bis 200 Becquerel/kg (durch enthaltenes 232Thorium).

(Quelle[1])

Andere Baustoffe

Unterschiedliche Baustoffe sind unterschiedlich belastet. Problematisch können z.B. manche Granite, Schlacke, Bauxit oder Rotschlamm sein.

Unproblematisch sind Kalkstein, Marmor, Naturgips oder Holz[2]. Zum Vergleich die spezifische Aktivitäten einzelner Isotope von Holz:

  • von 37 bis 185 Becquerel/kg (durch enthaltenes 40Kalium)
  • von 8 bis 41 Becquerel/kg (durch enthaltenes 226Radium) und
  • von 8 bis 19 Becquerel/kg (durch enthaltenes 232Thorium).

(Quelle[1])

Was können Sie dagegen tun?

Die oben beschriebene Radioaktivität geht auf instabile Isotope einzelner, z.T. grundlegender Bestandteile von zum Beispiel Baustoffen zurück. Sie haben deshalb nur die Möglichkeit

  • auf die Verarbeitung problematischer Baustoffe zu verzichten und schwächer strahlende Alternativen zu verwenden
  • sich vor dem Kauf über die Strahlung Ihres Wunsch-Baustoffes zu informieren. Einige einzelne Produkte (Kacheln, Fliesen, Bausteine) wurden z.B. an der Uni Oldenburg untersucht.
  • den Hersteller zu fragen, ob dessen Produkt auf Radioaktivität untersucht wurde. Eine Anfrage aus Anlass der Neu-Eindeckung unseres eigenen Hauses bei einem namhaften Hersteller von Dachziegeln und -steinen ergab allerdings, dass die verwendeten Ton-Erden nicht untersucht werden. Als Konsequenz werden wir Dachsteine (=aus Beton) statt der Alternative aus Ton verwenden.
  • eine eigene Messung durchzuführen. Eine Messung der spezifischen Radioaktivität ist zwar am genauesten, eine vereinfachte Messung mit Strahlungsmessgerät („Geigerzähler“) ist oft ausreichend. Die Messung mit einem Geigerzähler setzt bei schwach strahlenden Stoffen allerdings eine systematische Vorgehensweise voraus.

Radioaktivität im Haushalt

Manche Mineralien einer Mineraliensammlung oder Haushalts-Gegenstände (in der Regel ältere Dinge, etwa 1960er Jahre und davor) können erhöht radioaktiv strahlen, da damals manchmal radioaktive Hilfsstoffe verwendet wurden. Insbesondere betrifft dies

  • leuchtende Zifferblätter von Uhren,
  • mit Uran gefärbtes Glas (grünlich) und
  • radioaktiv strahlende Glasur auf Keramik (meist rot oder gelb) sind hier besonders markant.

radioaktive Steine, Mineralien

Gibt es keinen Körperkontakt zu diesen Gegenständen (Beispiel: Das Zifferblatt des Weckers ist hinter Glas und somit vor Berührung geschützt), dann genügt meist ein Abstand von 20-30 cm, um selbst bei längerem Aufenthalt in der Nähe dieser Gegenstände gesundheitliche Schäden nahezu auszuschließen.

Besteht Unklarheit darüber, ob ein Gegenstand wie ein Zifferblatt eines alten Weckers oder eine Vase radioaktiv strahlen könnten, dann genügt es bei diesen (relativ kleinen) Gegenständen, längeren Aufenthalt in unmittelbarer Nähe und Körperkontakt zu vermeiden (-> Kontamination von Händen durch möglichen Abrieb: Radioaktive Partikel können leicht in den Körper aufgenommen werden).

Möchten Sie trotzdem Klarheit haben, dann hilft nur eine Messung der radioaktiven Strahlung. Ratsam ist eine Messung, wenn verdächtige Gegenstände großflächig im Wohnraum vorhanden sind (Fliesen, Natursteinwände, Bauteile aus Granit) oder wenn Sie häufig Körperkontakt haben.

 

Radioakive Waren aus der Umgebung von Fukushima oder Tschernobyl

Es ist möglich, dass aus stark kontaminierten Gegenden Gebrauchsgüter in den Handel und damit auch zu uns gelangen. Häufige Bedenken gibt es bei Holz aus Russland („Sibirische Lärche“ ist in vielen Baumärkten zu finden), Weißrussland oder der Ukraine oder Waren (z.B. Autos) aus Japan. Da die exakte Herkunft dieser Waren meistens nicht bekannt ist (und selbst dann unter Umständen nur von eingeschränktem Nutzen ist) kommt man um die Messung nicht herum, sofern Klarheit gewünscht ist.

Radioaktivität selbst messen

Haben Sie Baustoffe oder Haushaltsgegenstände (alte, möglicherweise mit Uran-/Radium-haltiger Glasur, leuchtende Lichtschalter oder Zifferblätter von Uhren)? In diesem Fall können Sie einfach die Radioaktivität messen. Um erhöht radioaktiv strahlende Gegenstände zu erkennen benötigt es keine Erfahrung der Anleitung: Ein Geigerzähler zeigt diese Strahlung sofort an.

Um schwache Radioaktivität (zum Beispiel in manchen Baustoffen) zu messen, muss die Messung über eine gewisse Zeit durchgeführt werden. Das Verfahren ist hier für diesen zur Miete verfügbaren Geigerzähler beschrieben, ist aber auch mit jedem anderen geeigneten Geigerzähler durchführbar.

  1. Bringen Sie den Geigerzähler an einen Ort mit niedriger Hintergrundstrahlung, z. B. im Garten in größerer Entfernung von Baustoffen oder Steinen.
  2. Starten Sie eine Messzeit von mindestens 30 Minuten (um so länger, um so besser!) ein und notieren Sie nach Ende der Messung die Anzahl der gezählten Impulse. An diesem Geigerzähler können Sie dies so einstellen:
    a. Drücken Sie die „_Π_“-Taste, gefolgt von 2 x „←“ (Wechsel der Anzeige Sekunden -> Minuten).
    b. Stellen Sie mit den Tasten „↑“ und „↓“ die gewünschte Messzeit ein.
    c. Starten Sie die Messung durch einen erneuten Druck der „_Π_“-Taste. Das „_Π_“-Symbol in der Anzeige blinkt bis die Messung beendet ist.
    d. Die Anzahl der gezählten Impulse wird angezeigt bis Sie durch einen Druck auf die ☢-Taste den Geigerzähler wieder in den Ausgangszustand zurücksetzen.
  3. Wiederholen Sie Schritt (1) und (2) nach Möglichkeit an 1-2 weiteren Orten, damit Sie ein Gefühl für die bei Ihnen vorhandene Hintergrundstrahlung bekommen.
  4. Bringen Sie den Geigerzähler an einen Ort, an dem Sie erhöhte radioaktive Strahlung vermuten: Dies kann in der Nähe von Baustoffen sein (-> z. B. legen Sie das Gerät auf einen Dachziegel oder neben eine Mauer). Mögliche Quellen für radioaktive Strahlung im Haus sind Hochofen-Schlacke, Ziegel oder Dachziegel sowie Lehm (Gefache von Fachwerken).
  5. Starten Sie die Messung erneut und vergleichen Sie das Ergebnis.

Beurteilung der Messergebnisse

Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sie im Haus oder in der Nähe von Baustoffen eine erhöhte Radioaktivität messen, die drei- oder vierfache Dosis im Vergleich zum Freien (Garten, Wiese…) ist nicht ungewöhnlich. Ob diese Dosis gesundheitsschädlich ist, hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab:

  1. Der Aufenthaltsdauer und
  2. der Dosisleistung.

Bei kurzem Aufenthalt können auch erhöht strahlende Baustoffe als „eher unproblematisch“ angesehen werden (der Gartenzaun aus Schlacke-Steinen). Im Wohn- oder Schlafbereich mit typischerweise lange Aufenthaltsdauer sind sie problematischer.

Typische Messwerte im Freien sind etwa 0,05 µSv/h, innerhalb von Gebäuden etwa 0,1 – 0,2 µSv/h.

 

Quellen

  1. Natürliche Radioaktivität von Baumaterialien, Bauwirtschaft(30/1976), Nr 43, S. 115-117; Bundesministerium des Inneren (BMI, Hrsg.): Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung Bonn, 1983
  2. Karl Gertis: Radon in Gebäuden Eine kritische Auswertung vorhandener Literatur, Fraunhofer IRB Verlag, S. 59

Ein Kommentar zu “radioaktive Baustoffe

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