Was ist Radon (222Rn ☢)?

Radon Test mit Geigerzähler

Anschaulicher Nachweis von Radon in einem Wohnhaus durch ein Experiment mit einem Staubsauger und einem Geigerzähler

Radon ist ein radioaktives Gas, das sich völlig unbemerkt in sehr vielen Häusern anreichert. Die Gesundheitsgefahr durch Radon ist in nahezu unbekannt.

Wahrscheinlich denken Sie: „Bei mir zu Hause gibt es kein Radon.“ Das ist leider falsch, denn die Erdatmosphäre hat eine natürliche Radioaktivität von etwa 9 Becquerel/m³ durch Radon. Radon gibt es wirklich überall -Entscheidend ist, wieviel.

Hier die wichtigsten Fakten im Überblick:

Fakt 1: Die meisten Gebäude reichern Radon in der Raumluft an

  • Radon ist ein nahezu überall natürlich vorkommendes, radioaktives Gas.
  • Radon entsteht durch den Zerfall von Uran im Boden. Radon dringt über Ritzen und Spalten in die unterste Etage von Gebäuden (meist der Keller) ein und reichert sich in der Raumluft an.
  • Jedes Gebäude kann betroffen sein, egal ob Wohnhaus, Neubau, Altbau, Schule oder Lagerhalle.

Fakt 2: Radon ist unsichtbar, geruchlos und spurlos

radonDie meisten Menschen sind sich keiner Gefahr bewusst.  Es gibt keine sichtbaren Anzeichen für Radon in Gebäuden. Radon verursacht keine Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Schlafstörungen, es hinterlässt auch keine Spuren. Radon verhält sich so, als wäre es gar nicht da.

Fakt 3: Radon ist die zweit-häufigste Ursache für Lungenkrebs.

  • Alle 5 Stunden stirbt in Deutschland ein Mensch an Lungenkrebs, der auf das Einatmen von Radon-haltiger Raumluft zurückzuführen ist. Das sind etwa 30% aller Lungenkrebsfälle oder ca. 2600 Tote pro Jahr[10].
  • Radon ist instabil, es zerfällt radioaktiv und kontaminiert Raumluft und Hausstaub. Beim Atmen gelangen radioaktive Partikel in der Lunge und bestrahlen diese. Radon und seine Folgeprodukte verursachen bevorzugt das „Kleinzellige Bronchialkarzinom“.

Fakt 4: Vor Radon kann man sich schützen!

Ist das Ausmaß der Radon-Kontamination bekannt, dann kann mit zum Teil sehr einfachen und sehr günstigen Radon-Gegenmaßnahmen (die selbst durchgeführt bzw. installiert werden können) die Radioaktivität der Raumluft deutlich gesenkt werden.

Die Raumluft-Radioaktivität durch Radon kann durch einen Radon Test bestimmt werden. Hierfür können Sie ein Radon Messgerät mieten und selbst messen.

Wie entsteht Radon?

Die Erdkruste enthält natürliche Radionuklide wie Uran-238, Uran-235, Thorium-232 und Kalium-40, die radioaktiv zerfallen. Als Zwischenprodukt der Zerfallsreihe von Uran-238 entsteht unter anderem das radioaktive Edelgas Radon-222 (Halbwertszeit 3,8 Tage)[4]. Im Gegensatz zu anderen radioaktiven Elementen ist Radon gasförmig, deshalb kann es aus der Tiefe im Boden in die Atmosphäre entweichen. Im Freien verteilt es sich schnell und stellt keine große Gefahr dar.

Warum ist Radon so gesundheitsschädlich?

Ohne Warnung: Radon ist unsichtbar!

Es gibt keine sichtbaren Hinweise oder Anzeichen für Radon in der Raumluft. Radon hinterlässt keine Spuren in der Wohnung, auch ist eine Radon-Exposition z.B. bei einem Gesundheitscheck durch einen Arzt nicht im Körper nachweisbar. Radon und seine Zerfallsprodukte in der Raumluft können Sie aber mit einem einfachen Radon-Test selbst messen.

08-lungenschaedigendTrotz seiner Unauffälligkeit ist Radon sehr gesundheitsschädlich: Das Einatmen dieser radioaktiv kontaminierten Luft über einen längeren Zeitraum kann Lungenkrebs verursachen. An Lungenkrebs durch Radon sterben mehr Menschen als an Brustkrebs, Prostatakrebs und Dickdarmkrebs zusammen.[1]

Wie erzeugt Radon Lungenkrebs?

Es gibt unterschiedliche Radon-Isotope, die alle instabil sind: Das Gas Radon zerfällt unter Abgabe radioaktiver Strahlung. Bei diesem Zerfall entstehen neue Elemente, z.B. die ebenfalls radioaktiven Schwermetalle 218Polonium, 214Wismut und 214Blei. Diese Zerfallsprodukte (Feststoffe) sind nicht elektrisch neutral (Ionen) und verbinden sich deshalb schnell mit den nächstbesten Teilchen in der Atemluft, z.B. auch Hausstaub.

Der Hausstaub wird hierdurch radioaktiv kontaminiert. Einmal eingeatmet, verbleibt ein großer Teil des radioaktiven Hausstaubes in dem Atemwegen, wo sich die Zerfallsprodukte Polonium, Wismut und Blei anreichern und durch ihren weiteren radioaktiven Zerfall Lungengewebe bestrahlen und damit schädigen.

In Deutschland ist das Problembewusstsein leider nur schwach ausgeprägt: Gerade weil dieses Gas völlig unauffällig und nur mit Messgeräten nachweisbar ist, ist die Gesundheitsgefahr meist unbekannt.

Grenzwerte

Bei Radon gibt keinen Grenzwert oder eine „unbedenkliche Dosis“: Medizinische Studien zeigen, dass es einen linearen Zusammenhang zwischen der Radon-Belastung der Raumluft und dem Vorkommen von Lungenkrebs gibt[8], d.h.: Um so weniger Radon in der Luft ist, um so besser. Eine Studie weist allerdings darauf hin, dass bei niedriger Exposition eventuell kein linearer Zusammenhang besteht: weitere Forschung ist erforderlich[9].

Besondere Gefährdung von Rauchern

Studien deuten darauf hin, dass eine erhöhte Radon-Konzentration in der Raumluft proportional das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken erhöht. Fatal für Raucher ist, dass dies für Raucher und Nichtraucher gleichermaßen gilt:

Ist z.B. durch eine erhöhte Raumluft-Radioaktivität das Lungenkrebs-Risiko eines Nichtrauchers um z. B. 30% erhöht, dann steigt das absolute Risiko des Nichtrauchers an Lungenkrebs zu sterben von ca. 1% um 0,3% auf 1,3%.

Das Lungenkrebs-Risiko eines Rauchers ist aber wesentlich höher: Hat ein Raucher ein absolutes Lungenkrebs-Risiko von 20% und kommt das Zusatz-Risiko von 30% durch Radon hinzu, dann steigt das Risiko des Rauchers von 20% um 6% auf 26%. Aus diesem Grund sollten gerade Raucher sich des unsichtbaren Risikos einer durch Radon belasteten Raumluft bewußt sein … oder aufhören mit dem Rauchen … und Nichtraucher werden.

In der Tabelle (nach Quelle[6]) ist das absolute Lungenkrebsrisiko für Raucher und Nichtraucher gegenüber gestellt: Es ist deutlich zu erkennen, dass Raucher nicht nur ein wesentlich höheres Erkrankungsrisiko haben als Nichtraucher, sondern auch durch Radon wesentlich mehr geschädigt werden.

Läge des Rauchens kein Radon/ 0 Bq/m3 Radon 800 Bq/m3
Lebenslange Nichtraucher 0,4% 0,7%
15-24 Zigaretten/Tag bis zum 30. Lebensjahr 2,3% 3,7%
15-24 Zigaretten/Tag bis zum 50. Lebensjahr 4,3% 7,2%
15-24 Zigaretten/Tag bis zum 75. Lebensjahr 10,4% 16,9%

Wichtig: In der Tabelle oben ist nur „Lungenkrebs“-Risiko durch Rauchen aufgeführt. Andere Gesundheitsrisiken durch Rauchen wie Rachen- und Kehlkopfkrebs, Asthma oder vorzeitige Hautalterung[7] sind hier unberücksichtigt.

Warum reichert sich Radon in Gebäuden an?

radonDer natürlich vorhandene, geringfügig niedrigere Luftdruck in Gebäuden (z. B. durch den Betrieb einer Heizung, Kaminzug) begünstigt das Eintreten von Radon-Reicher Luft aus dem Boden in die unterste Etage des Hauses, d. h. in der Regel in den Keller. Risse in den Wänden oder der Bodenplatte, nicht Gasdichte Strom- und Wasseranschlüsse begünstigen den Eintritt von Radon ins Haus. Aber auch ohne Risse gelangt Radon durch in die Raumluft, z.B. durch gasdurchlässige Baumaterialien.

Radonkonzentration in der Raumluft hängt wesentlich von individuellen Merkmalen der Gebäude und der Geologie ab und kann selbst von Raum zu Raum stark schwanken. Risse/Klüften im Untergrund des Hauses begünstigen die Ausbreitung von Radon. Radon kann auch mit fließendem Grundwasser transportiert werden.[2]

Auch in aus geologischer Sicht „gering“ belasteten Gebieten ist eine erhöhte Eadioaktivität der Raumluft möglich.

Radon kann auch im Haus selbst durch erhöht radioaktive Baumaterialien, (wie z. B. Lehm) entstehen.[3]

Was ist eine „Radon-Therapie“?

Radon Gas kann auch Nutzen haben: Bei der Radon-Therapie (auch Radonbad oder Radoninhalationskur) werden Stollen in denen hohe Radon-Konzentrationen vorkommen genutzt, um Rheumaleiden, Morbus Bechterew, Asthma, chronische Bronchitis oder Schuppenflechten zu behandeln. Die therapeutische Wirkung ist zwar nur teilweise bekannt, als gesichert gilt, dass die von Radon und seinen Folgeprodukten beim radioaktiven Zerfall entstehende Alpha-Strahlung bei den getroffenen Zellen den Zelltod auslöst, wodurch entzündungshemmende Botenstoffe freigesetzt werden.

Gesundheitliche Risiken wie das zusätzliche Lungenkrebs-Risiko der Radon-Therapie wird seit Ende 2012 vom Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt untersucht.[5] In jedem Fall sollte der Nutzen der Radon-Therapie mit dem Risiko durch Radon-Inhalation abgewogen werden.

Bitte beachten Sie: Anders als bei einer Radon-Therapie -bei denen Menschen einer hohen Dosis für einen kurzen Zeitraum ausgesetzt sind, wirkt Radon zu Hause über Jahrzehnte!

FAQ

Frage: Wenn eine höhere Belastung vorliegen würde, was bedeutet das für mich wenn ich im Keller gearbeitet habe?
Antwort: Radon wirkt vergleichbar wie rauchen – die gesundheitlichen Folgen kommen langfristig. Ein paar Tage in Radon-reicher Atmosphäre arbeiten ist zwar unvorteilhaft, aber kein Grund zur Sorge. Schlimmer ist es, wenn sie z.B. über Jahre hinweg die Radon-Zerfallsprodukte (Polonium218, Blei214 …) inhalieren.

Frage: Wenn wir den Kellerboden betoniert und eine Schweissbahn gegen Feuchtigkeit aufgebracht haben, könnte dann nicht auch das Radongas gehindert werden in den Innenbereich einzudringen?
Antwort: Ja! Maßnahmen gegen Hochwasser oder Feuchtigkeit im Keller sind meistens gleichzeitig ein Schutz gegen Radon. Ein eventuell vorhandenes Problem wird dadurch nicht mit Sicherheit beseitigt, aber zumindest ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass eine eventuell vorhandene problematische Kontamination der Raumluft reduziert wird.

Frage: Wir wohnen in einem Altbau, haben zwei kleine Kinder und machen uns Sorgen um ihre und unsere Gesundheit. Wäre nett wenn Sie uns helfen könnten.
Antwort: So lange eine Messung nicht beendet ist, ist es schwer etwas zu empfehlen.
Was Sie aber vorab tun können / als Sofortmaßnahme meistens ausreichend:

1. Lüften Sie kurz durch, bevor Sie sich länger in den unteren Etagen
aufhalten. Sie müssen nicht lange lüften – ein kurzer Durchzug und
Radon ist für die nächsten Stunden passé.
2. Lüften Sie Wohnräume mindestens 2 mal am Tag – besser drei mal.
Auch hier gilt: Kurzer Durchzug genügt!

Lassen Sie sich vom „Altbau“ nicht abschrecken – auch ein Neubau reichert Radon an!

Quellen

  1. [1] wikipedia-Artikel „Lungenkrebs“ de.wikipedia.org, ausgelesen am 04.12.2012.
  2. [2] Bundesamt für Strahlenschutz: Radonausbreitung im Boden, ausgelesen am 04.12.2012.
  3. [3] Holger Dambeck: Forscher warnen vor Strahlung in Lehmhäusern, Spiegel online, Datum: 18. April 2012, aus spiegel.de, ausgelesen am 29.11.2012.
  4. [4] Bundesamt für Strahlenschutz: Einführung in Radon, ausgelesen am 03.05.2013.
  5. [5] Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 17.2.2013, Nr. 7, Seite 66.: „Es gibt sie doch, die gute Radioaktivität“
  6. [6] Lungenkrebs durch Radon, Helmholtz Zentrum München.
  7. [7] Rauchen: Risikofaktor für Krankheiten, Wikipedia-Artikel Tabakrauchen, ausgelesen am 29.05.2013.
  8. [8] Umweltmedizinischer Informationsdienst Ausgabe 3/2000, Seite 3:. Lungenkrebsrisiko durch Radon in Wohnungen – derzeitiger Kenntnisstand aus epidemiologischen Studien Herausgeber: UBA, RKI, BgVV, BfS
  9. [9] „Schneeberger Studie“ High residential radon health effects in Saxony Diese Studie ist auch online verfügbar.
  10. [10] Stiftung Warentest Bedrohung aus der Tiefe Heft 12/2000, Seite 48. Dieser Artikel ist auch online verfügbar.

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